Transition Coaching

Offene Tür zu einer Wiese

Im Übergang von „nicht mehr“ und „noch nicht“

Eine neue Führungsrolle beginnt selten erst am ersten Arbeitstag. Meist beginnt sie schon vorher: mit Erwartungen, inneren Bildern und dem Wunsch, es richtig gut zu machen. Wer eine neue Rolle übernimmt, bringt ja nicht nur Kompetenz mit, sondern auch die eigene Geschichte: bisherige Erfolge, Routinen, Glaubenssätze, Werte, Erfahrungen mit Hierarchien, Teams, Konflikten und Konkurrenz.

Auf dem Papier wirkt ein Rollenwechsel oft eindeutig. Es gibt eine Stellenbeschreibung, Ziele, Zuständigkeiten, vielleicht ein Onboarding-Programm. In der Praxis ist der Anfang meist vielschichtiger. Die neue Führungskraft kommt in ein bestehendes System. Dort gibt es Vorgeschichten, informelle Regeln, gewachsene Beziehungen, alte Enttäuschungen und unausgesprochene Erwartungen. Das Team beobachtet. Die eigene Führungskraft wartet auf Wirkung. Die Peers prüfen Anschlussfähigkeit. Und HR hofft, dass die Entscheidung aufgeht.

Viele Rollenwechsel fühlen sich deshalb nicht wie ein sauberer Schritt von vorher zu nachher an. Eher wie ein Übergang zwischen „nicht mehr“ und „noch nicht“. Das Alte trägt nicht mehr richtig, das Neue ist aber noch nicht selbstverständlich da. Die bisherige Rolle ist verlassen, die neue noch nicht ganz bewohnt.

Genau dieses Dazwischen ist anstrengend. Viele Führungskräfte wollen schnell Vertrauen aufbauen, handlungsfähig wirken und keine falschen Signale senden. Gleichzeitig ist vieles unklar: Wer hat wirklich Einfluss? Was wurde früher versucht? Wo liegen Konflikte? Was darf ausgesprochen werden? Welche Erwartungen gehören zur Rolle, welche werden auf die neue Person projiziert?

In dieser Unsicherheit greifen viele auf das zurück, was bisher funktioniert hat. Sie arbeiten mehr, bereiten sich gründlicher vor, lösen Probleme selbst, hören überall zu, erklären viel und versuchen, niemanden zu verlieren. Das ist menschlich und oft gut gemeint. Auf Dauer kann daraus ein Muster entstehen, das der neuen Rolle nicht gerecht wird.

Eine sehr gute Fachkraft führt nicht dadurch wirksam, dass sie weiterhin die beste Lösung liefert. Eine neue Bereichsleitung gewinnt nicht automatisch Einfluss, wenn sie in alle Details einsteigt. Und wer ein verunsichertes Team übernimmt, hilft nicht unbedingt, indem er jede Spannung sofort ausgleicht.

An dieser Stelle wird Transition Coaching wichtig. Es schafft einen Raum, in dem der Rollenwechsel organisatorisch, psychologisch und systemisch verstanden werden kann.

Dazu gehört, die neue Rolle im Kontext zu verstehen. Keine Organisation ist neutral. Jede Rolle hat eine Geschichte. Es gab Vorgängerinnen oder Vorgänger, Erwartungen, Enttäuschungen, informelle Regeln, Bündnisse, Konflikte, Tabus. Manchmal soll die neue Führungskraft etwas verändern, das lange niemand angerührt hat. Manchmal soll sie beruhigen, ohne etwas Grundsätzliches infrage zu stellen.

Wer das übersieht, reagiert schnell auf der falschen Ebene. Dann wird ein Beziehungsthema bearbeitet, obwohl eigentlich Rollen unklar sind. Oder ein Leistungsthema wird individualisiert, obwohl das Team seit Jahren ohne gemeinsame Richtung arbeitet.

Im Transition Coaching geht es deshalb um Orientierung: Was ist hier wirklich der Auftrag? Was steht zwischen den Zeilen? Welche Erwartungen sind ausgesprochen, welche nicht? Welche Themen gehören zur neuen Führungskraft, und welche sind Teil der Geschichte dieses Teams oder dieser Organisation?

Ein weiterer Punkt ist die eigene Rollenarchitektur. Viele Führungskräfte müssen nicht noch mehr Methoden lernen. Sie müssen genauer verstehen, wie sie in der neuen Rolle wirken und wirken wollen. Wann übernehme ich zu viel? Wo halte ich mich zu lange zurück? Wo will ich beweisen, dass ich die richtige Person bin? Wo verwechsle ich Nähe mit guter Führung?

Hier geht es auch um Identität. Eine neue Rolle muss innerlich eingenommen werden. Das zeigt sich sehr konkret: in der Art, wie jemand Meetings führt, Grenzen setzt, Entscheidungen trifft, Feedback gibt, Konflikte anspricht oder ihnen ausweicht. Nach und nach entsteht eine neue berufliche Identität: passend zur Person, anschlussfähig an das System und wirksam in der Rolle. Genau das leistet ein gutes Transition Coaching.

Für HR ist Transition Coaching deshalb weit mehr als eine individuelle Entwicklungsmaßnahme. Es ist ein Hebel für gelingende Nachfolge, Führungskultur und die Stabilität von Teams in Veränderung. Viele Rollenwechsel scheitern nicht an fehlender Kompetenz. Sie geraten ins Stocken, weil der Übergang selbst zu wenig begleitet und reflektiert wird.

Wenn Sie Führungskräfte beim Übergang in neue Rollen begleiten lassen möchten oder sich fragen, wie Transition Coaching in Ihrer Organisation sinnvoll aussehen kann, freue ich mich über Ihre Fragen und Kommentare.

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Dr. Jasmin

Messerschmidt

Am Breitwiesenberg 1

64287 Darmstadt

Deutschland

© 2025 Messerschmidt Consulting | WebDesign Henning Winter

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