Selbstüberschätzung und Kompetenz

Digitale Räume verstärken Einfachkeit

Je sicherer jemand auftritt, desto kompetenter wirkt er – zumindest im
digitalen Raum. Doch einer der professionellsten Sätze, die ich in den
letzten Monaten im Executive-Coaching gehört habe, lautete: „Ich merke
gerade, wie wenig ich eigentlich weiß.“ Er kam von einer erfahrenen
Führungskraft – die den Zugang zu ihrem neuen Team nicht fand.

Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt ein psychologisches Phänomen, das
uns allen begegnet. Menschen mit geringer Erfahrung überschätzen ihre
Kompetenz häufig – nicht aus Überheblichkeit, sondern weil ihnen die
Vergleichsmaßstäbe fehlen, um die eigene Begrenzung realistisch
einzuschätzen. Wer ein Feld zunächst nur oberflächlich kennt, erlebt
oft ein starkes Gefühl von Klarheit. Man versteht erste Modelle,
erkennt Muster – und meint, das Wesentliche bereits erfasst zu haben.

Mit wachsender Erfahrung verändert sich diese Perspektive. Komplexität
wird sichtbarer. Zusammenhänge zeigen sich als vielschichtig. Was
zuvor eindeutig erschien, offenbart Widersprüche und
Kontextabhängigkeiten. Die anfängliche Sicherheit weicht einer
differenzierten Einschätzung. Dieses sogenannte „Tal der
Verunsicherung“ ist kein Rückschritt, sondern ein Entwicklungsschritt.
Hier beginnt professionelle Reife.

Warum scheint der Dunning-Kruger-Effekt aktuell besonders präsent?
Digitale Plattformen verstärken Eindeutigkeit. Der Algorithmus liebt
Einfachheit, klare Botschaften und starke Positionierungen.
Differenzierung dagegen braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Gleichzeitig
wächst der Markt für schnelle Lösungen, Selbstoptimierung und
vermeintlich universelle Erfolgsrezepte. Gewissheit beruhigt.
Komplexität ist unbequem und fordert uns heraus.

Gerade in Führung und Coaching zeigt sich jedoch, wie trügerisch
vereinfachende Gewissheiten sind. Organisationen sind keine linearen
Systeme, sondern Beziehungsgeflechte mit unterschiedlichen Interessen,
Dynamiken und Machtkonstellationen. Wer hier vorschnell erklärt,
reduziert mehr als er versteht. Wer Ambivalenzen aushalten kann,
handelt sorgfältiger und nachhaltiger.

Systemische Professionalität bedeutet daher nicht, sicher zu sein,
alles zu wissen oder immer die passende Antwort bereitzuhalten. Sie
zeigt sich in der Fähigkeit, Hypothesen zu bilden, Perspektiven zu
wechseln und das eigene Nichtwissen bewusst einzubeziehen. Genau daran
arbeiten wir im Coaching – und in meiner Coaching-Ausbildung.

Selbstreflexion und Dialog spielen dabei eine zentrale Rolle. Nicht
als Selbstzweck, sondern als kontinuierliche Bereitschaft, das eigene
Denken kritisch zu reflektieren und neue Perspektiven zu integrieren.
Expertise entsteht durch Differenzierungsfähigkeit, Dialog und die
Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln.


Resonanzfrage:

Woran erkennen Sie echte Expertise – bei anderen und bei sich selbst?

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Dr. Jasmin

Messerschmidt

Am Breitwiesenberg 1

64287 Darmstadt

Deutschland

© 2025 Messerschmidt Consulting | WebDesign Henning Winter

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