Beziehung wirkt

Warum die Arbeitsbeziehung im Coaching so entscheidend ist
Was macht Coaching wirksam? Gute Fragen? Die richtige Methode? Viel Erfahrung?
All das spielt eine Rolle. Ein Faktor wird in der Forschung jedoch besonders deutlich: die Qualität der Arbeitsbeziehung zwischen Coach und Coachee.
Eine Meta-Analyse von Graßmann, Schölmerich und Schermuly (2020) wertete 27 Studien mit mehr als 3.500 Coachingprozessen aus. Je besser die Arbeitsbeziehung erlebt wurde, desto positiver waren auch die Ergebnisse des Coachings. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Veränderungen im Denken und emotionalen Erleben; zugleich traten weniger unerwünschte Begleiterscheinungen auf, wie beispielsweise eine geringere Arbeitszufriedenheit.
Eine gute Arbeitsbeziehung ist mehr als „die Chemie stimmt“
Persönliche Passung ist wichtig. Eine professionelle Coachingbeziehung geht jedoch darüber hinaus. Coach und Coachee brauchen ein gemeinsames Verständnis der Ziele und des Vorgehens sowie eine Beziehung, die von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt ist.
Ziele werden gemeinsam geklärt, Irritationen können angesprochen werden und auch Unsicherheit oder widersprüchliche Gefühle haben Platz. Eine tragfähige Arbeitsbeziehung entsteht damit nicht einfach zufällig. Sie lässt sich professionell gestalten.
Wahrnehmung ist immer auch Wahrgebung
Dafür braucht ein Coach mehr als Gesprächstechniken. Er muss wahrnehmen, was sich im Gespräch verändert: Wo entsteht Spannung? Wann zieht sich jemand zurück? Was wird gesagt und was bleibt vielleicht unausgesprochen?
Wahrnehmung ist nie völlig neutral. Sie ist immer auch Wahrgebung. Wir nehmen aus unserer eigenen Perspektive wahr, ordnen und gewichten das, was wir sehen und hören, und geben ihm Bedeutung.
Für Coaches ist deshalb entscheidend, die eigene Wahrnehmung als eine mögliche Deutung zu verstehen und sie immer wieder zu überprüfen. Was löst mein Gegenüber bei mir aus? Möchte ich schnell helfen? Spüre ich Spannung, obwohl das Gespräch ruhig erscheint?
Solche Wahrnehmungen können wertvolle Hinweise geben. Sie bleiben zunächst Hypothesen, die überprüft werden müssen. Je nachdem, aus welcher Perspektive wir schauen, nehmen wir unterschiedliche Aspekte einer Situation wahr. Professionelle Präsenz zeigt sich auch darin, zwischen diesen Perspektiven bewusst wechseln zu können.
Das wichtigste Instrument ist der Coach selbst
Ein Coach arbeitet immer auch mit der eigenen Person: mit Aufmerksamkeit, Haltung, Resonanzfähigkeit und der Fähigkeit, Nähe und Distanz zu regulieren.
Für mich ist der Coach deshalb auch ein Resonanzkörper. Entscheidend ist, die eigene Reaktion wahrzunehmen und zu prüfen: Hat das, was ich gerade erlebe, mit meinem Gegenüber und dem Prozess zu tun oder mit mir selbst?
Diese Fähigkeit braucht Übung, Feedback und Reflexion. Auch Diller et al. (2020) verweisen auf beobachtete Coachingpraxis, Selbstreflexion und Supervision als wichtige Bestandteile professioneller Coach-Ausbildung.
In der DBVC-zertifizierten Coaching-Weiterbildung von Messerschmidt Consulting in Darmstadt gehören praktische Coaching-Erfahrung, Supervision, Feedback, Persönlichkeitsentwicklung, Peergroups und Live-Coachings fest zum Konzept. Denn professionelle Coaching-Kompetenz zeigt sich auch darin, Beziehung bewusst zu gestalten, differenziert wahrzunehmen und die eigene Wirkung reflektiert in den Prozess einzubringen.
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